Die Mama bringt ihr eigenes Kleines um - um ihr ein Leben in Gefangenschaft zu ersparen.

Sie sieht einfach keinen anderen Ausweg mehr…

Viola Herrmann
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Tümmlerin „Lulu“ hat nicht vergessen, wie sich ein Leben in Freiheit anfühlt. Die unendlichen Weiten des offenen Meeres – wie sehr sie sie wohl genossen hat damals. Damals bedeutet vor ihrer Gefangenschaft. Denn inzwischen durfte Lulu nur noch Runden in einem winzigen Pool drehen. Das ließ den Delphin mürbe werden. Hoffnungslos. Und depressiv.

Lulu war eine von den unzähligen Delphinen, die in den letzten Jahren an der berüchtigten Taiji Bucht in Japan gefangen genommen wurden. Die meisten landeten anschließend direkt beim Schlachter. Lulu hingegen wurde zum Ausstellungsobjekt degradiert – im Aquarium Nagoya. Den Rest ihres Lebens sollte sie dort verbringen. Fragt sich, was schlimmer ist: der Tod beim Schlachter oder ewige Gefangenschaft in einem viel zu kleinen Becken?

Facebook/Ceta Base

Nach einiger Zeit wurde Lulu schwanger. Ein kleiner Lichtblick in ihrem kargen Leben, könnte man meinen. Doch die Delphin-Mutter wollte ihrem Kleinen dieses Leben nicht antun. Und so traf sie die schwerste Entscheidung ihres Lebens. Sie tötete ihr eigenes Baby, das erst am 24. September zur Welt gekommen war.

Normalerweise ist der Schutzinstinkt bei Delphinen gegenüber Neugeborenen extrem ausgeprägt. Sie sind regelrecht vernarrt in ihre Jungen. Vielleicht entschied sich Lulu gerade deshalb zu diesem furchtbaren Schritt.

Laut Laura Bridgeman von der Organisation „International Marine Mammal Project“, war es ziemlich sicher die Gefangenschaft, die Lulu zu dieser Verzweiflungstat bewegte. Es sei ein Akt der Barmherzigkeit gewesen.

Instagram/mksbk

Die Leiter der Aquarien rechtfertigen sich oft damit, dass die Delphine nach der ersten Geburt einfach nicht genau wüssten, wie sich gute Eltern zu verhalten hätten. Und deshalb käme es immer wieder zu derlei Vorfällen.Laut Laura Bridgeman jedoch seien diese Aussagen unlogisch. „Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Narben, die nach der Trennung von der eigenen Familie entstanden sind, zu dieser Gewaltbereitschaft führen!“ sagte sie. „Wahrscheinlich wollte Lulu ihrem Kind dieses trostlose Leben einfach ersparen!“

Die genauen Gründe für diese Tat werden wir wohl nie erfahren. Tatsache ist allerdings, dass die Todesrate unter den Säuglings-Delphinen in Gefangenschaft wesentlich höher ist als bei den freien Artgenossen. Grund genug, endlich mit dieser grausamen Effekthascherei – und nichts anderes sind Aquarien - endlich Schluss zu machen! Erst vor Kurzem bot die Tierschutzorganisation „PETA“ dem Nürnberger Tiergarten 100’000 Euro, wenn dieser im Gegenzug das Delphinarium schließen würde. Das Angebot wurde jedoch abgelehnt. Und der Kampf geht weiter.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Publiziert am 07.10.2016 / 16:00