Beschneidung lief schief - Arzt angeklagt

Ein algerisches Ehepaar liess die Beschneidung ihres Sohnes wegen Sicherheitsbedenken extra in der Schweiz und nicht im Ausland durchführen. Der Eingriff jedoch misslang.

31. Juli 2014: Ein 59-jähriger Arzt nimmt, wie schon 2500 Male bevor, bei einem kleinen Jungen eine Beschneidung vor. Anders als in den vorhergehenden Eingriffen jedoch, läuft dieser schief. Der Arzt schnitt dem Jungen die Eichel ab. Am Dienstag stand er deswegen vor Gericht.

Das Opfer, ein vierjähriger Junge, ist der Sohn eines algerischen Ehepaars. Diese wollte die traditionelle Beschneidung zunächst in Marokko durchführen lassen, der Vater bestand jedoch später darauf, dass der Eingriff in der Schweiz vorgenommen wird. "Ich wollte, dass es in der Schweiz passiert – wegen der Kompetenz der Mediziner", sagt er gegenüber der Tribune de Genève.

Während der folgenschweren Operation wollte der Vater den so wichtigen Moment im Leben seines Sohnes mit einem Foto festhalten. Genau in diesem Moment jedoch bewegte sich der Vierjährige. Weil sich der Urologe aber gerade mit dem Skalpell dem Penis genähert hatte, trennte er ihm die Eichel ab. Nun musste sich der 59-Jährige gestern vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet: Schwere Körperverletzung.

"Man muss die Vorhaut mit einem sehr scharfen Skalpell schneiden", so der Angeklagte. Zwar dauere ein solcher Eingriff nur ein bis zwei Sekunden, "aber wenn in diesem Augenblick etwas passiert, ist es vorbei". Und genau das geschah am 31. Juli. Der Arzt versuchte die Eichel des Buben danach noch zu retten, indem er die getrennten Teile zusammennähen wollte. Dem Vater habe er anschliessend sofort geraten, sich ins Spital zu begeben.

Der Vater des Jungen widerspricht dieser Aussage: Der Arzt habe den Vorfall heruntergespielt und ihn warten lassen, bevor er selbst ins Spital gegangen sei. Sein Sohn habe einen ganzen Monat lang hospitalisiert werden müssen. Mittlerweile befindet sich der Junge auf dem Weg der Besserung. Die Chancen, dass sein Penis vollständig heilt, stehen gut, sagte ein Arzt des Spitals gestern vor Gericht. Darüberhinaus lobte er auch die Arbeit des Urologen gleich nach dem Vorfall.

Die Eltern aber, fürchten sowohl physische als auch psychische Folgeschäden. Und zeigten sich enttäuscht:  "Für meinen Mann ist sein Sohn ein König", erklärte die Mutter. "Er hätte ihn auch in einer Moschee beschneiden lassen können. Aber er wollte ihm einen Luxuseingriff bei einem Arzt bezahlen."

Das Urteil steht noch aus

Nach Befinden der Staatsanwältin, ist der Urologe schuldig: Er habe unter anderem zu wenig Massnahmen getroffen, um den Patienten ruhig zu stellen. Gefordert wird deshalb eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 200 Franken.

Der Verteidiger des Arztes jedoch plädiert auf nicht schuldig: "Die Hand des Chirurgen ist nicht unfehlbar, sein Auge genauso wenig. Es kam zu einem unvorhergesehenen Moment, der einen bedauerlichen Unfall verursachte. Ein Versehen reicht nicht für einen Schuldspruch, dafür bräuchte es einen Fehler." In der Zwischenzeit hat der Arzt das Fotografieren während den Operationen verboten. Das Urteil steht noch aus.

Teaserimage: Symbolbild / Pixabay