Das ist der Grund, warum wir den 1. August erst seit 1891 feiern

Das ist die Geschichte hinter dem Schweizer Nationalfeiertag.

Am 1. August gedenkt man in der Schweiz dem Bundesbrief von 1291. Doch erst 1891 wurde dieser Tag zum ersten Mal gefeiert. Warum eigentlich?

Diese "späte" Einführung der 1. August-Feier hat zwei Gründe. 

Zum einen war der Bundesbrief von 1291, in dem Uri, Schwyz und Unterwalden ein Bündnis eingingen, lange Zeit unbekannt. Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein galt der von Aegidius Tschudi auf 8.11.1307 datierte Rütlischwur als Gründungsdatum der Eidgenossenschaft. Das Dokument wurde erst im 18. Jahrhundert wiederentdeckt und 1760 veröffentlicht. Damals wurde es aber noch nicht als Gründungsurkunde gewertet.

Der Schweizer Bundesbrief von 1291.
Der Schweizer Bundesbrief von 1291.
Bundesbriefarchiv

Zum anderen feierte man den Geburtstag der Schweiz nicht wirklich. Erst im 19. Jahrhunderts stieg das Bedürfnis nach historischen Jubiläen. Zunächst gedachte man den Schlachten und feierte die Bundesbeitritte der einzelnen Kantone.

Kurz vor 1891 kam in Bern die Idee auf, gestützt auf den Bundesbrief von 1291, das 600-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft zu feiern. Die Stadt Bern feierte in diesem Jahr ihren 700-jährigen Geburtstag und da kam es sehr gelegen, auch gleich den Geburtstag der Schweiz zu feiern. Ein weiterer Grund, wieso 1291 gegenüber 1307 bevorzugt wurde, hat damit zu tun, dass man lieber eine rechtlich vollzogene Staatsgründung (Bundesbrief) als Geburtsstunde der Schweiz haben wollte als eine revolutionäre Verschwörung (Rütlischwur).

Das Datum blieb aber nicht unumstritten. Noch 1907 wurde in Altdorf im Beisein einer Bundesratsdelegation nochmals das 600-jährige Bestehen der Schweiz gefeiert. Mit der Zeit verschwand aber die Erinnerung an den Rütlischwur von 1307 und damit als Gründungsjahr der Eidgenossenschaft.

Zunächst wurde aber nur einmal der runde Geburtstag der Schweiz gefeiert.

Erst ab 1899 feierte man den 1. August jedes Jahr. Vor allem die Auslandschweizer drängten darauf, die Geburt der Nation wie in anderen Staaten auch zu feiern. Von nun an wurden auf Anordnung des Bundesrats am Abend des 1. August die Glocken geläutet. Daneben etablierte sich rasch ein offenes Feuer und eine Ansprache als Bestandteil der Feier.

1. August-Rede von Elisabeth Kopp in Schwyz, 2007.
1. August-Rede von Elisabeth Kopp in Schwyz, 2007.
Wikimedia Commons / Wici

Der 1. August blieb zunächst aber ein gewöhnlicher Werktag. Man sah es als selbstverständlich an, dass der fleissige Schweizer auch an einem solchen Tag normal arbeitete. Erst mit der Zeit erklärten die Kantone den nachmittag oder den ganzen Tag zum Feiertag. Gesamtschweizerisch zu einem arbeitsfreien Tag wurde der 1. August erst 1993 nach einer Volksinitiative.

Teaserbild: Jean Renggli