Einer der grössten Sportskandale aller Zeiten wurde verfilmt: "I, Tonya" ab heute im Kino

Unsere Filmkritik zum Oscar-Anwärter.

Sie hatte den Charme eines Ted-Nugent-Refrains und doch war Tonya Harding für kurze Zeit Amerikas Eiskunstlauf-Prinzessin. Bis diese, ehm, Sache passierte und damit nicht nur ihr Leben ruiniert war.

Das brutale Attentat auf Amerikas Eisprinzessin

Mit grosser Spannung erwartet, jetzt endlich im Kino:
Mit grosser Spannung erwartet, jetzt endlich im Kino: "I, Tonya"
Elite Films

Es war der grösste Skandal der jüngeren Sportgeschichte, zumindest bis drei Jahre später Mike Tyson bei seinem Rückkamp gegen Evander Holyfield Teile vom Ohr seines Gegners abbiss, als wäre er ein Zombie-Komparse bei „The Walking Dead“: Während ihren Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen 1994 wurde die amerikanische Medaillenhoffnung im Eiskunstlauf Nancy Kerrigan beim Training brutal mit einer Eisenstange am Knie attackiert. Der Attentäter, so stellte sich schnell heraus, handelte offenbar auf Befehl von Jeff Gillooly, Ex-Mann von Tonya Harding – Kerrigans zähster Konkurrentin. Und noch bevor klar wurde, wie viel Harding vorab über das Attentat Bescheid wusste, machten Klatschmedien die damals 23-Jährige zur grausamen „Eishexe“, als würde sie nebenbei auch noch Pelzmäntel aus 101 Dalmatiner tragen.

Eine Eiskunstläuferin wird zur meistgehassten Frau der Welt

Margot Robbie glänzt in der Rolle von Tonya Harding
Margot Robbie glänzt in der Rolle von Tonya Harding
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Um eine endgültige Antwort, ob Harding bei der Planung zur Attacke tatsächlich mitbeteiligt war, dreht auch die biografische Tragikomödie „I, Tonya“ elegant ihre Runden und spielt dabei öfters mit den gegensätzlichen Aussagen, die Harding (Margot Robbie) und Gillooly (Sebastian Stan) in späteren Interviews getrennt voneinander machen. Zusätzlich erzählt wird Tonyas Lebensgeschichte von ihrer unerbittlichen Mutter LaVona (furios gespielt von Allison Janney), die ebenso grausam wie kompromisslos den Aufstieg der Tochter vorantreibt. Doch so technisch brillant das Ausnahmetalent auch ist – sie springt als erste Amerikanerin überhaupt einen Dreifach-Axel –, so schwer tun sich die Punktrichter mit Tonyas burschikosem Auftreten und sehen in ihr lediglich Trailer Trash statt Eisprinzessin. Umso entschlossener verfolgt Harding darauf ihre Medaillenträume, schon bald auch mit Unterstützung ihrer Jugendliebe Jeff.

Mitfavorit der diesjährigen Oscar-Verleihung?

Dieser stellt sich aber auch schon bald als hitzköpfiger Frauenschläger heraus und so verdrischt sich das Paar regelmässig gegenseitig, als wären sie Randy Savage und Ricky Steamboat bei WrestleMania 3 – nur um anschliessend versöhnlich wieder miteinander ins Bett zu hüpfen, als wären sie Jessica Jewel und Ron Jeremy in „Booty Duty 5“. Dass in dieser Geschichte voller häuslicher Gewalt und zerplatzter Träume trotzdem so viele Lacher fürs Kinopublikum abspringen, liegt einerseits an der haarsträubenden Dämlichkeit der Konspiratoren um Gillooly und dessen besten Kumpel Shawn (Paul Walter Hauser), aber auch an der stets doch irgendwie sympathisch agierenden Margot Robbie, die für diese Rolle absolut zurecht eine Oscar-Nomination empfangen hat. Regisseur Craig Gillepsie („Fright Night“) ist mit „I, Tonya“ also ein absolutes Kunststück gelungen – als hätte Martin Scorsese „Blades of Glory“ neu verfilmt.

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Publiziert am 22.02.2018 / 09:13