Kylie Minogue: Cowboy-Boots auf dem Disco-Dancefloor

Die Pop-Ikone im grossen Interview.

Wir haben uns mit Kylie über ihr neues Album "Golden", Mittel gegen Liebeskummer und die anstehende Royal Wedding unterhalten.

Kylie Minogue sitzt in rosa Rüschenbluse und gestreifter Clochard-Hose in der Suite eines Berliner Luxus-Hotels und ist bester Laune. Ende Mai wird die australische Sängerin und Schauspielerin 50 Jahre alt. Noch vor ihrem Ehrentag veröffentlicht die 1,52 Meter grosse Künstlerin ihr neues Album „Golden“, mit dem sie den Frust über ihre geplatzte Hochzeit wegtanzt.

Kylie, „Golden“ ist Ihr 14. Studioalbum. Ist es überhaupt noch aufregend für Sie, eine neue Platte zu veröffentlichen?

Und wie! Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen, als ein britischer Radiosender das erste Mal die Single „Dancing“ gespielt hat. Ich konnte mich gar nicht beruhigen. Und das Feedback war so grossartig, dass es mich fast zum Weinen gebracht hätte. Daran gewöhnt man sich nie! Aber es ist auch eine sehr besondere Platte für mich.

Inwiefern?

Wir haben uns am Anfang sehr viel Zeit genommen, um nach der Richtung für den Sound zu suchen. Schliesslich landeten wir in Nashville bei Country-Musik, was erheblichen Einfluss auf die Songs nahm. Wenn du an diesem magischen Ort bist, mit so vielen musikhistorischen Stätten, gibt dir das eine erfrischend andere Perspektive auf das Handwerk des Songwriting. In allen Cafés und Clubs triffst du auf junge Liedermacher, die von ihrer Musik erzählen, und das Publikum hört aufmerksam zu. Die Zeit dort war unglaublich inspirierend für mich.

Da ist jede Menge Herzschmerz in den neuen Songs. Mussten Sie sich nach der Trennung von Ihrem Verlobten Joshua Sasse den Liebeskummer von der Seele schreiben?

Nun ja, die Songs handeln generell über mein Leben mit der Liebe, nicht explizit über die letzte Liebe. Ich habe viel Mist in Liebesdingen erlebt. 2016 war kein gutes Jahr für mich. Es ist schlimm, wenn du dich selbst verlierst, wenn du dich alleine und hilflos fühlst und nicht mehr weisst, was Liebe eigentlich bedeutet. Ich will nicht übertreiben, aber es war schon recht traumatisch nach der letzten Trennung. Die Arbeit im Studio war da wie Therapie.

So schlimm?

Jetzt nicht mehr! Aber am Anfang kamen nur weinerliche Lieder dabei raus. Zum Glück waren die nicht gut, so dass wir sie verwarfen. Denn sonst wäre ich jetzt wieder und wieder mit dem Kummer konfrontiert. Erst als das Stück „Lifetime To Repair“ entstand, konnte ich diese schlimme Phase langsam hinter mir lassen. Ich hatte dann schon genug Distanz, um das Ganze realistisch zu betrachten – und auch mit ein bisschen Humor.

Was haben Sie gelernt aus all dem Herzschmerz?

Shit happens! Aber ich wünschte, ich hätte mittlerweile eine Technik entwickelt, mit Liebeskummer umzugehen, dann wäre ich reich und berühmt. (lacht)

Wie stecken Sie Liebeskummer weg?

Da fragen Sie eine Expertin! (lacht) Es gibt ja verschiedene Arten von Herzschmerz: Es gibt den Herzschmerz, wo du denkst, den einzig Wahren verloren zu haben, über den du nie hinwegkommen wirst. Das hat es in meinem Leben auch gegeben. Aber so war es nicht bei meiner letzten Trennung. Danach fühlte ich mich als Mensch gebrochen, das ist etwas anderes als Liebeskummer. Es ging also diesmal darum, mich selbst wieder aufzubauen. Und es war grossartig, dass im Studio tun zu können. Gerade, wenn du an einem Song wie „Dancing“ arbeitest, der davon handelt, rauszugehen und zu tanzen, bringt dich das fast automatisch an einen emotional besseren Platz.

Wie weit waren Sie denn schon mit Ihren Hochzeitsvorbereitungen?

Nun, ich hatte noch kein Kleid! Und wenn ich zurückblicke, war es irgendwie klar, dass die Hochzeit nicht passieren würde. Ich habe nie angenommen, dass ich mal die Person sein werde, die den Altar hinunterschreitet. Ich konnte mir das nicht vorstellen...

Immerhin: Prince Harry heiratet dieses Jahr!

Glückwunsch an ihn! Ich habe ihn zwar getroffen, kann aber nicht behaupten, dass ich ihn besonders gut kenne. Ich weiss noch, wie ich als Zwölfjährige das erste Mal in England mit der Familie Urlaub machte. Damals war gerade die Hochzeit von Charles und Diana. Und die Briten druckten ihre Gesichter auf T-Shirts und Becher. Ich habe das damals nicht verstanden. Aber 2012 war ich involviert in die Zeremonie zum Thronjubiläum der Queen. Alle wedelten mit ihren kleinen Union-Jack-Fähnchen. Das hatte ich zuvor noch nicht erlebt, aber der Spirit hat mich echt getragen. Dasselbe erhoffe ich mir von Harrys Hochzeit. Ich werde für ihn auch das Fähnchen schwenken. Ich liebe andere Hochzeiten! Nur mit meiner eigenen ist das etwas schwierig.

Denken Sie, dass Ihre Karriere Anteil daran hat, dass es privat nicht immer rund lief?

Definitiv. Meine Karriere war und ist ein konstanter Motor und eine Leidenschaft in meinem Leben, für den ich den Grossteil meiner Zeit opfere. Aber wenn ich mich verliebe, dann schaffe ich es, alles zu ändern. Ich entschlacke meinen Terminplan, schiebe Verpflichtungen hin und her, sodass es passt. Denn ich bin immer noch eine Romantikerin.

Sie haben also die Liebe noch nicht aufgegeben?

Natürlich nicht. Wir müssen Hoffnung haben! Ich habe meine Hoffnung nicht verloren. Für manche Leute ist diese Phase ihres Lebens sogar besonders gut, um einen Partner zu finden, weil sie besser wissen, wer sie sind. Andererseits wird es nicht unbedingt einfacher, wenn man sich sein Leben bereits so eingerichtet hat, wie es einem gefällt.

Und Ihr Leben ist ein sehr Spezielles...

Auf gewisse Art schon. Manchmal ist mein Leben aber auch fast schon zu gewöhnlich. Im normalen Alltag muss ich die gleichen Dinge tun wie jeder andere auch: vom Müllrausbringen bis zum Einkaufen ist alles dabei. Aber das ist gut, auch für den Job. Ich habe diesmal viel darüber nachgedacht, was die Lieder wohl anderen Menschen bedeuten. Und ich freue mich, dass viele Menschen sich mit den Texten und Themen der Platte verbinden können. Denn es geht um sehr Menschliches.

Am 28. Mai werden Sie 50. Wie sehen Sie dem Tag entgegen?

Oh, da lastet eine Menge Druck auf mir. Aber genau deshalb habe ich dieses Jahr beschlossen, gross zu feiern. Normalerweise mache ich meine Freundinnen immer verrückt, weil ich ihnen sage, dass ich keine Feier will, sondern nur ein gemeinsames Abendessen. Aber diesmal werde ich eine grosse Party in London schmeissen. Einmal in meinem Leben muss das sein.

Die Gästeliste dürfte interessant sein.

Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, wen ich alles einlade. Normalweise brauche ich so was ja auch nicht. Aber ja, bei der 50 ist es anders.

Was wünschen Sie sich?

Eigentlich jedes Jahr dasselbe: Peace, Love & Happiness! Meine Probleme sind im Vergleich zu denen anderer Menschen recht klein. Ich bin gut drauf momentan. Insofern wünsche ich den Menschen Glück, die gerade nicht so eine gute Zeit haben.

Macht Ihnen die Zahl 50 Angst?

Ich habe keine Angst, ich bin einfach nur realistisch, wo ich im Leben stehe. Im Titel-Song der Platte gibt es die Zeile: „Wir sind nicht jung, wir sind nicht alt. Wir sind ‚Golden’!“ Monate lang spukte das in meinem Kopf herum. Denn genau so fühlt es sich mit 50 für mich an: Ich bin irgendwo dazwischen. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist: Ich fühle mich heute definitiv besser als noch vor einigen Jahren – viel positiver und entspannter mit mir selbst.

Der neue Song „Live A Little“ erweckt allerdings den Eindruck, dass Sie insgeheim den Wunsch hegen, alles stehen und liegen zu lassen und dem Musikbusiness den Rücken zu kehren.

Ja, manchmal ist das so, aber ich werde sofort zum Schweigen gebracht, wenn ich so etwas ausspreche.

Von wem?

Von meinem Team, von meinen Freunden. Wenn ich sage: „Nie wieder!“ Dann sagen sie nur: „Sei still, du weisst selber, dass du weitermachen willst!“ Aber es ist gut, wenn ich es mir hin und wieder selbst laut sage, dass ich aufhöre, nur damit ich weiss, dass es auch andere Optionen im Leben für mich gibt. So nach dem Motto: Ich muss das hier nicht machen, ich kann auch die Flucht ergreifen! (lacht) Das nimmt mir viel von dem Druck, den ich mir selbst mache. Und es erinnert mich daran, mir mal eine Pause zu gönnen. Auch wenn ich nicht gut in Pausen bin.

Träumen Sie von einem bodenständigen Leben?

Schon! Das hier, die Auftritte und die Musikvideos, sind für mich ein sehr realer Teil meines Lebens. Aber es ist auch eine Maske. Ich habe oft Sehnsucht nach einem schlichteren Leben. Ich bin ja nicht immer das Glamour-Girl. Ich liebe die Natur und habe schon einige abenteuerliche Sachen ausserhalb des Showbiz gemacht.

Zum Beispiel?

Ich bin schon mal aus einem Flugzeug gesprungen. Ich habe Heliboarding gemacht, was eine ziemlich verrückte Erfahrung war. Ich war Snowboarden für zwei Wochen. Ich war einige Male Gerätetauchen – das habe ich wirklich geliebt! Ich merke gerade, dass ich mich hier als sehr sportlich darstelle. (lacht) Dabei halte ich mich für überhaupt nicht sportlich. Aber es gibt noch einige Sachen, die ich ausprobieren könnte. Mit dem Rucksack um die Welt reisen, das würde ich liebend gerne tun. Aber eins werde ich garantiert niemals machen...

Was denn?

Bungee Jumping! Davor habe ich echt Schiss.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Printausgabe von LikeMag. Du findest sie in Zeitungsboxen an hochfrequentierten Standorten in Zürich, Bern und Basel oder hier online. Viel Spass beim Weiterstöbern!

Publiziert am 28.04.2018 / 16:43